Dieser Text ist eine Übersetzung des NOAA-Skywarn Advanced Spotters Guides.

Teil 1

Gefahren, die von Gewittern ausgehen
Sicherheitstipps

Beim Stormchasing oder Spotting sollte man möglichst zu zweit im Auto fahren. Dadurch kann sich der Fahrer auf die Straße konzentrieren, während der Beifahrer den Himmel beobachtet sowie gegebenenfalls Warnungen per Handy durchgibt. Hält man an, sind gleich zwei Paar Augen für die Himmelsbeobachtung vorhanden.

Achten Sie immer auf die Umgebung, in der Sie sich befinden. Wenn Sie sich in der Nähe des Gewitters befinden, sollten Sie einen Sicherheitsabstand von etwa 3km zu dem Zentrum halten. Beobachten Sie regelmäßig den Himmel über sich und hinter sich, um sich zu vergewissern, daß man nicht von einem unerwarteten Ereignis wie einem Tornado überrascht wird. In jedem Fall sollte eine Fluchtroute vorhanden sein, falls sich eine überraschende Wettererscheinung nähert (z.B. schwerer Hagel, Tornado) oder wenn das Gewitterzentrum näher als 3km an einen herankommt.

Blitze
Bevor wir zu den verschiedenen Arten von Gewittern kommen, sei nochmal an die zerstörerischen und unter Umständen tödlichen Erscheinungen eines Gewitters erinnert. Alle Gewitter beinhalten Blitze, denn Gewitter werden über das Vorhandensein von Blitzen definiert. In den meisten Jahren geht der größte Teil von Gewittertoten auf Blitzschlag zurück. Ein möglicher Grund dafür ist, daß Blitzopfer häufig vom Blitz getroffen werden, bevor Regen eingesetzt hat oder nachdem der Regen bereits wieder aufgehört hat. Viele Leute fühlen sich sicher vor Blitzen, wenn es an ihrem Standort nicht regnet. Dieses Foto zeigt einen Blitz, der aus der Seite des Cumulonimbus austritt und in die regenfreie Zone einschlägt. Man ist also auch außerhalb des Regens nicht vor Blitzen sicher.
Foto: Moller
Überschwemmungen
In Fällen, wo Gewitter mit langsamer Bewegung auftreten, oder Serien von Gewittern auftreten, die wiederholt über das gleiche Gebiet ziehen, kommt es häufig zu Überschwemmungen. Die Gesamtzahl von Toten durch Überschwemmungen hat in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Toten durch Tornados überstiegen. Dafür scheinen zwei Faktoren verantwortlich zu sein: Die Unwissenheit der Bevölkerung bezüglich der Überschwemmungsgefahr und die zunehmende Verstädterung. Wenn der Erdboden versiegelt ist, fangen Regenmengen eher an zu fließen, als daß sie im Boden versickern. Überschwemmungen durch Gewitterregen sind uns beispielsweise aus Städten und von Campingplätzen an Bergen vertraut.
Foto: NWS
Hagel
Dieser Hagelschlag trat in Altus, Oklahoma, im Jahr 1982 auf und war begleitet von mehreren Tornados. Hagel verursacht von allen Wettererscheinungen, die von Gewittern ausgehen, die größten Schäden. Jährlich gibt es alleine in den USA Hagelschäden in der Landwirtschaft von etwa einer Milliarde Dollar. Hagel tötet zwar selten Menschen, aber z.B. wurden im Mai 1986 100 Menschen bei einem extremen Hagelschlag in China getötet, 9000 verletzt und 35000 Häuser wurden zerstört. Hagel hat im Jahr 2000 auch einen Mann in Ft. Worth, Texas, getötet, der getroffen wurde, als er zu seinem Auto gelaufen ist, um damit aus dem Pfad eines Tornados zu entkommen.
Foto: NSSL
Abwinde von Gewittern
Auch Gewitterwinde verursachen größflächigen Schaden und manchmal Tote. Geradlinige Gewitterwinde entstehen durch Luft, die vom Regen abgekühlt wird und zusammen mit dem Regen absinkt. Dieser Sturm in zentral Texas, der sich von Westen genähert hat, brachte Winde von 125 km/h hinter der spektakulären Böenfront. Das selbe Gewitter hatte zuvor mehrere kleine Tornados, Hagel von der Größe einer Grapefruit und Überschwemmungen erzeugt. (Blick nach Westen aus einer Entfernung von etwa 8 km).
Foto: Moller
Staubstürme
Nachdem die Böenlinie den Standort erreicht hat, aber bevor der Niederschlag einsetzt, wird oft Staub von den Winden aufgewirbelt, die in das Gewitter hineingehen. Der Anteil des Staubes richtet sich nach der Bodenbeschaffenheit, dem Feuchtigkeitsgehalt des Bodens und der Windstärke. Die Windstärke wurde bei diesem Staubsturm in der Nähe von Seminole, Texas, auf etwa 80 km/h geschätzt. Schwere Gewitterwinde sind für die Luftfahrt besonders gefährlich. Insbesondere für Flugzeuge, die bei einem Gewitter in der Start- oder Landephase sind.
Foto: David Drummond, StormTravellers Severe Storms Chase Team
Downbursts
Zerstörerische Gewitterwinde wurden von dem renomierten Gewitterforscher Dr. Ted Fujita als Downburst bezeichnet und werden unterteilt in Macrobursts (größer als 4 km im Durchmesser) und Microbursts (weniger als 4 km Durchmesser). Grundsätzlich umfasst ein Macroburst den vollstänigen Abwindbereich eines Gewitters, wogegen der Microburst nur in Teilen des Abwindbereiches auftritt.
Microbursts die in einen Macroburst eingebettet sind

Foto: Moller

Hier ist ein klassischer Fall eines Microbursts zu sehen. Die Aufnahme wurde in Richtung Süden gemacht, etwa eine Meile von dem Macroburst entfernt, in dem der Microburst eingebettet ist. Die Übergangslinie, wo der von rechts nach links vorschiebende Microburst die Wolkenbais trifft, hat von links bis oberhalb des Microbursts eine fransige bis glatte Wolkenstruktur. Dies ist die Vorderfront des Gewitterböenlinie. Kurz hinter der Böenlinie, auf dem rechten Teil der Straße, erreicht der Microburst den Boden und beginnt sich über die Straße zu "kräuseln". Die geschätzten Windgeschwindigkeiten von sich bewegenden Staubteilen liegen dort bei 112 km/h. Mehr über die visuelle Identifizierung von Microbursts folgt später.
Tornados
Zuletzt, aber nicht unwichtig, der Tornado. Nochmal, ein Tornado ist als gewaltig rotierende Luftsäule definiert, die in Kontakt mit dem Boden steht und mit einem Gewitter in Verbindung ist (es spielt keine Rolle, ob der Kondensationstrichter bis zum Boden reicht). Wenn ein Tornado sich Ihrem Standort annähert, fahren Sie in einem 90° Winkel von dem Tornado weg, falls Sie sich auf dem offenem Land befinden, der Standort des Tornados und die Bewegungsrichtung bekannt ist und wenn Sie mit dem örtlichen Straßennetz vertraut sind. Wenn Sie sich in einer Stadt befinden und eine Flucht aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, verlassen Sie Ihr Fahrzeug und gehen Sie in ein solides Gebäude. Wenn so ein Gebäude nicht vorhanden ist, werfen Sie sich flach in einen Straßengraben, oder eine andere tiefe Stelle am Boden, die aber nicht überflutet sein darf.

Foto: Marshall